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Geschichte/2 Wegstationen im Mittelalter 544-1241
544 / Edessa: Wiederentdeckung, erste Hagia SophiaUm 525 wird das Grabtuch bei Reparaturen der Stadtmauer Edessas gefunden. Wahrscheinlicher ist, daß dies während einer Belagerung 544 geschah durch den persischen König Chosrau I. Anuschirwan. Bei Befestigungsarbeiten der belagerten Bewohner wird auf dem höchsten Tor ein Hohlraum in der Mauer entdeckt. Darin findet sich das Grabtuch. Die Belagerten verstehen dies als göttliche Unterstützung ihrer Verteidigung. Ihre Begeisterung soll die erschöpften Belagerer entmutigt haben. Chosrau zieht nach einem vernichtenden Feuer in seinem Feldlager mit dem Heer ab. im 6. Jahrhundert / PortraitwandelDie Darstellungen von Christus erfahren eine einschneidende Veränderung. Bislang wurde die historische Gestalt, deren Aussehen nicht bekannt war, als symbolischer Typus dargestellt. Dazu wurde unter der Herrschaft Konstantins (4. Jh.) ein Motiv aus den heiligen Schriften verwendet von Christus als dem "guten Hirten". Nach traditioneller Anschauung war eine solche Persönlichkeit zugleich eine Heldenfigur, entsprechend die bildlichen Anleihen bei antiken Götter- und Heldendarstellungen, meist jugendlich-sportliche Gestalten. Um diese Zeit jedoch werden alle Christus-Darstellungen in anderer Weise angelegt. Links im Bild die alte Form des guten Hirten aus dem 4. Jh. (Rom: Lateranmuseum), rechts die neue Form (Mosaik St. Cosmas & Damian, Rom) aus dem 6. Jahrhundert. ![]()
544-638 / Syrischer Hinweis auf Abgar in EdessaSyrisches Textzeugnis "Lehren des Addai" über das Acheiropoieton aus einer Zeit zwischen 544-638. Demnach wurde König Abgar von Edessa ein "linteum" (Leinen) übergeben, "faciei figuram sed totius corporis figuram cernere potis" Auf dem man nicht nur ein Gesicht sondern den ganzen Körper sehen kann. (Dokument: Vatikanischen Bibliothek, Königl. Bib. Leiden) Bild: König Abgar V. Ukama (der Schwarze) mit dem Tuch (Vergrößerung: anklicken). Abgar schrieb die Heilung seiner Krankheit der Wunderwirkung des Grabtuchs zu. Die syrische Sage berichtet weitere Wunder und von einem gemalten Stoffbild des Hauptes Jesu. Ab 640 / Edessa und Grabtuch im IslamAusbreitung des Islam. Eroberungszüge muslimischer Sarazenen bis nach Edessa. Die Stadt schließt einen Bündnisvertrag mit ihnen und erhält somit Duldung der christlichen Religion als "dhimmi" (Schützlinge). Arabisierung und Islamisierung der Stadt, die aramäische Sprache verschwindet. (Bild: sarazenische Belagerung Edessas). Nach islamischem Theologieverständnis gilt Jesus als ein Prophet Gottes, das ihm zugeschriebene Grabtuch ist religiöser Kultgegenstand. Auch deshalb, weil das jüdische "Shatnez"-Denken in dieser Kultur ohne Bedeutung ist. ![]()
678 / Erdbeben, SprachgeschichteDie Kirche Hagia Sophia von Edessa mit dem Grabtuch wird durch ein Erdbeben beschädigt. Der muslimische fünfte Kalif Muawiya (603-680 / Münzbild) lässt laut arabischem Chronisten Baladhuri die christliche Kirche wieder instandsetzen. Seitdem Auftreten eines arabischen Wortes für das Grabtuch "mandil" (Tuch). Übernahme des Lehnworts in die späthellenische Sprache als "mandylion". Von dort weiterer Import in die Mittelmeersprachen - Genua: mandillo, Abruzzen: mandile, Kastilien: mantel. im 9. Jh. / Verkümmerung als Gesichtsbild
942 / Besitzwechsel nach ByzanzUnter der Regentschaft des byzantinischen Kaisers Constantinus VII. (913-959 - Bild: dessen Münzen/Vergrößerung) erobert dessen General Johannes Gurgen ("Kurkuas") eine Nachbarstadt von Edessa von den Sarazenen zurück und belagert Edessa. In Verhandlungen bietet Byzanz den Rückzug an gegen Herausgabe des Grabtuchs. Arabischer Chronist Al Masudi: "ein Tuch auf dem das Gesicht Christi aufgedrückt war". Der Vertrag: byzantinischer Rückzug, Friedensgarantie, Freilassung muslimischer Gefangener und 12.000 Silberdenare gegen die Herausgabe des Grabtuchs. Die muslimischen Edessener versuchen zweimal vergeblich, gefälschte Tuchkopien anstelle des Originals herauszugeben. Die Byzantiner erkennen jeweils die Täuschung, hatten also konkrete Informationen darüber, welche Merkmale das echte Grabtuch haben muß. Die Verhandlungen ziehen sich über längere Zeit. 944 / Übergabe in KonstantinopelTransport des Grabtuchs nach Konstantinopel, vermutlich über Bithynien, Cäserea, Kappdocien und Laodicea. Öffnung des Reliquenbehälters auf Zwischenstation in einem anatolischen Kloster am Fluß Sangarius durch den kaiserlichen Beauftragten (cubicularius) Teophanus. Es wird festgestellt, daß die Reliquie kein Gesichtstuch ist sondern ein sehr großes Grabtuch mit Vollkörperabbildung und Blutspuren (Dokument: Vatikanische Bibliothek). ![]() 16. August: Einzug des Grabtuchs nach Konstantinopel. Die feierliche Zeremonie der Übergabe an den byzantinischen Kaiserhof wird in einer Buchillustration festgehalten (Bild oben). Ein Titeltext nennt die Reliquie explizit "mandylion" (Grabtuch). Aufbewahrung in der Kapelle S. Maria Blachernae (Bild unten: Ortslage, Mauerreste / Vergrößerung anklicken). Als Experte begutachtet seine Echtheit der Archidiakon und Referendar Gregorios, der zuvor alte syrische Texte über das Grabtuch gelesen hatte. Bericht durch den Hofhistoriker J. Skylitzes (Dokument: Nationalbibliothek Madrid). Aufbewahrung des Grabtuches auch in der Kirche "Theotokos" im Palast des byzantinischen Kaisers Konstantin I., zeitweise in der Hagia Sophia in Faltung, nur mit Kopfteilansicht. ![]() 950 / Frühe GeschichtsstudienIn Konstantinopel erhält der Arzt Smera einen alten syrischen Text über das Acheiropoieton. Der Text ist datierbar zwischen 544-638. Demnach wurde König Abgar von Edessa ein "linteum" (Leinen) übergeben, "faciei figuram sed totius corporis figuram cernere potis" Auf dem man nicht nur ein Gesicht sondern den ganzen Körper sehen kann. (Dokument: Vatikanischen Bibliothek, Königl. Bib. Leiden)
Um 1150 / Vorführung im Codex Pray
1157 / DänenvorführungVorführung des Grabtuchs in Konstantinopel vor dem dänischen Abt Nicolas Bergtorson. 1171 / Präsentation mit BerichtVorführung des Grabtuchs in Konstantinopel vor Amalrich I., König des Kreuzritterstaates Jerusalem. Sein Begleiter Erzbischof Wilhelm von Tyrus berichtet von einem "sindonem". Dieser Bericht wurde mehrfach übersetzt: lenzuolo/Laken (ital.), sisne (frz.). 1203 / Putsch und Aufmerksamkeit von FranzosenIn Byzanz hat sich ein Usurpator an die Macht geputscht. Er wird mit Truppenhilfe der orientalischen Kreuzfahrerstaaten vertrieben. Im August wird eine Delegation der Truppen vom siegreichen byzantinischen Kaiser im Palast empfangen, wo wieder das Grabtuch präsentiert wird. Ritter Robert de Clary aus Frankreich berichtet darüber. (Königliche Bibliothek Kopenhagen)
1204 / Plünderung von KonstantinopelDer Usurpator kehrt zurück und ermordet die kaiserliche Familie, ehe er die Macht in Konstantinopel nochmals übernimmt. Ab April erobern Truppen des Vierten Kreuzzuges die Stadt. Trotz Verboten und Schauhinrichtungen werden viele Sakralgegenstände geplündert. Nach dem Grabtuch suchen die Eroberer gezielt aber vergeblich (Robert de Clary: "On ne seut on onques, nie Grieu ni Franchois, que chis Sydones devint, quand la ville fu prise") Auf den Besitz von Raubgut steht die Todesstrafe. Der Blachernenpalast mit dem Grabtuch wird ausgeraubt, mit hoher Wahrscheinlichkeit durch den Franzosen Othon de la Roche. Bild: dessen Wappensignet.
1205 / Beschwerde beim PapstErster August: Ein Verwandter des letzten rechtmäßigen byzantinischen Kaisers, Theodoros Angelos Komnenos, Neffe von Kaiser Isaac II., damals Angehöriger eines Kreuzritterordens, beschwert sich schriftlich bei Papst Innozenz III. über die Plünderungen der Kreuzfahrer. Er fordert die Rückgabe von geraubten Sakralgegenständen, deren Aufbewahrungsort er ungefähr angibt. Nach seiner Kenntnis sei das Grabtuch in Athen.
Bis 1206 / Raubgut auf ReiseOthon de la Roche begründet in Athen ein Kreuzfahrerkönigtum. Eine päpstliche Untersuchungskommission wird in den Orient geschickt, um die Umstände der Kreuzfahrerplünderungen zu klären (Benedikt v. St. Susanna/Porto, Nikolaus v. Otranto/Abt Casole, südit.). Die letzte Station der Inspektion ist Athen. Nikolaus berichtet später, in Athen bei Othon das Grabtuch gesehen zu haben. Gerüchten zufolge verkauft der das Grabtuch dann an den Templerorden. Seine weiteren Stationen sind die Festung der Tempelritter St. Johannes auf Akkon, jene auf Zypern sowie Marseilles. Belegt ist, daß Tempelritter ein zentrales Heiligtum verehrten, ein "bärtiges Haupt". Um 1208 / Neue SpurEin französischer Adeliger, Pons de la Roche, zeigt das Grabtuch Amadeus de Tramelay, Erzbischof von Besançon. Der Besitzer gibt an, es aus Konstantinopel erhalten zu haben von seinem Sohn, Othon de la Roche.
1241 / StoffstreifenBalduin II., Kreuzritterkaiser von Konstantinopel, macht dem franz. König Geschenke, um von ihm militärische Unterstützung zu erhalten. Laut Pariser Inventar von 1534 (Gerard v. St. Quentin de l´Isle) ist darunter ein 30 cm langer Stoffstreifen vom Grabtuch. So nochmals erwähnt im königlichen Inventar von 1740. Zuletzt aufbewahrt in der Sainte Chapelle, Paris. Während der Franz. Revolution 1789 zerstört. Bild: alter Stich des Altars in der Sainte Chapelle, wo die Reliquie hinter einem Holzgitter verwahrt wurde. |
Geschichte/1 |
® 11.12.2012 - 00:33 [0.94] | Geschichte/3![]() |
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